Schweine & Oblaten

von Paul Schweiger

Was passiert eigentlich mit den Stanzresten und nicht so schönen Hostien? Das habe ich die Nonnen im Kloster Alexanderdorf schon direkt beim ersten Besuch gefragt. Und natürlich werden auch diese Reste nicht einfach weggeworfen, sie werden gesammelt und jeden Donnerstag morgen vor die Tür der Hostienbäckerei gestellt. Dort werden sie dann abgeholt und an die Schweine verfüttert – so hatte es Schwester Theresia erklärt. Vor meinem letzten Termin im Kloster Anfang November hatte ich dann endlich Kontakt mit dem Verantwortlichen auf dem Bauernhof aufgenommen und konnte bei der Fütterung dabei sein. 

Im Gegensatz zu meinen Erwartungen stand ich dort nicht in einem Mastbetrieb, sondern vor den großen Gehegen von fünf Schweinen, die von der Hofbesitzerin mit der Flasche aufgezogen wurden und seitdem ihr Leben fröhlich im Matsch verbringen. Weder werden sie gegessen, noch fehlt es ihnen an etwas. Denn das ganze Dorf spendet Futter – so auch die Nonnen im Kloster Alexanderdorf. Die Hostienreste werden mit Kraftfutter und Wasser vermengt, die entstehende Mischung gibt es dann morgens frisch in den Trog.

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Autor: Paul Schweiger

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