Work in Progress: Autobahnkirchen

von Paul Schweiger

Wer hält eigentlich an Autobahnkirchen? Diese Frage habe ich mir schon lange gestellt – und 2025 angefangen, sie mir zu beantworten. Seitdem fotografiere ich jede Autobahnkirche, an der ich vorbeikomme – und die Menschen, die ich dort treffe.

Schweine & Oblaten

von Paul Schweiger

Was passiert eigentlich mit den Stanzresten und nicht so schönen Hostien? Das habe ich die Nonnen im Kloster Alexanderdorf schon direkt beim ersten Besuch gefragt. Und natürlich werden auch diese Reste nicht einfach weggeworfen, sie werden gesammelt und jeden Donnerstag morgen vor die Tür der Hostienbäckerei gestellt. Dort werden sie dann abgeholt und an die Schweine verfüttert – so hatte es Schwester Theresia erklärt. Vor meinem letzten Termin im Kloster Anfang November hatte ich dann endlich Kontakt mit dem Verantwortlichen auf dem Bauernhof aufgenommen und konnte bei der Fütterung dabei sein. 

Im Gegensatz zu meinen Erwartungen stand ich dort nicht in einem Mastbetrieb, sondern vor den großen Gehegen von fünf Schweinen, die von der Hofbesitzerin mit der Flasche aufgezogen wurden und seitdem ihr Leben fröhlich im Matsch verbringen. Weder werden sie gegessen, noch fehlt es ihnen an etwas. Denn das ganze Dorf spendet Futter – so auch die Nonnen im Kloster Alexanderdorf. Die Hostienreste werden mit Kraftfutter und Wasser vermengt, die entstehende Mischung gibt es dann morgens frisch in den Trog.

Handarbeit für den Herrn

von Paul Schweiger

Die meisten Hostien, die in Gemeinden von Stralsund bis Zwickau zum Abendmahl genutzt werden, wanderten schon durch ihre Hände. Schwester Theresia und die anderen Nonnen der Hostienbäckerei im Kloster Alexanderdorf stellen sie her – in Manufaktur.

Aus Wasser und Mehl entstehen hier in mehreren Arbeitsschritten jede Woche Tausende Oblaten, die je nach Konfession den Leib Christi nicht nur darstellen, sondern zu dem sie im Lauf des Abendmahls selbst werden. Und auch wenn der Teig mittlerweile in einer großen, eigens dafür konstruierten Maschine zu Platten gebacken wird – das Stanzen der runden Hostien sowie die Sortierung in gute und schlechte Exemplare ist immer noch kleinteilige Handarbeit.

Für Schwester Theresia ist es ein Dienst an der Kirche, für die beiden beim Kloster angestellten Mitarbeiterinnen ihre Lohnarbeit. Und doch ist die Hostienbäckerei ein besonderer Arbeitsort – diesem möchte sich die Reportage fotografisch annähern.

Die Reportage „Handarbeit für den Herrn“ entstand im Rahmen der Projektklasse Reportagefotografie am Photocentrum in Friedrichshain-Kreuzberg unter Leitung der Fotojournalistin Ann-Christine Jansson. Sie wurde zum ersten Mal in der Abschlussausstellung mit dem Titel „Unter demselben Himmel. Reportagen über Religion und Gesellschaft“ vom 30.01. bis zum 13.03.2026 im Kunstquartier Bethanien gezeigt, gemeinsam mit den Arbeiten der anderen Kursteilnehmenden.

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